„Es wächst zusammen, was zusammen gehört“


Bayerischer Musikrat beteiligte sich an Weimarer Tagung zur „Musikkultur in der Kindheit“

Chancen früher musikalischer Bildung und ihr Einfluss auf die gesamte Persönlichkeit des Kindes werden in Bildungskreisen aktuell bundesweit thematisiert. Auch der Kongress „Musikkultur in der Kindheit“ an der Hochschule für Musik Franz Liszt in Weimar diente dem fachlichen Diskurs, setzte dabei allerdings einen starken Akzent auf die Fragestellung, wie die Elementare Musikpraxis, die Pädagogik der frühen Kindheit und die schulmusikalische Didaktik in Beziehung zueinander gesetzt werden können.

„Bisher getrennte Diskurse sollen gemeinsam und stetig geführt werden“, sagt Peter Pfaff, Bildungsreferent des Verbandes Bayerischer Sing- und Musikschulen, der gemeinsam mit Vertretern von Präsidium und Mitgliedsverbänden des Bayerischen Musikrats an der Tagung Mitte Mai teilnahm. Der Musikrat hat die Elementare Musikpädagogik (EMP) in diesem Jahr zu seinem Arbeitsmotto erklärt.

Dem besonderen Konzept des Musikkindergartens Kisum in der Nähe von Weimar, war es zu verdanken, dass die Tagung stattfinden konnte. Der Musikkindergarten hat das Konzept „Leben wie in der Großfamilie“ mit Schwerpunkt auf der Elementaren Musikpädagogik entwickelt und auf gelungene Weise umgesetzt. Die Musik ist in alle Bereiche des Kinderalltags eingebunden. In Zusammenarbeit mit der Weimarer Musikhochschule hat der Verein Kisum e.V. die Tagung ins Leben gerufen. Gefördert wurde sie vom Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Von der Expertenrunde erfuhr das Konzept des Musikkindergartens große Zustimmung, wobei zugleich bemerkt wurde, dass eine Übertragbarkeit von allerorts vergleichbaren Rahmenbedingungen abhängig sei. Dennoch: Die Prinzipien und die Arbeitsweise der Elementaren Musikpädagogik im Kontext von Musik, Sprache und Bewegung gelten für die Fachwelt als zukunftsweisend für die Kindergartenarbeit. „Davon profitiert der Kindergarten in seiner Gesamtheit, nicht nur die Musik“, betont Pfaff. Wie das Prinzip in die Arbeit vor Ort umgesetzt wird, müsse man den Kindergärten selbst überlassen. Entscheidend sei letztendlich die pädagogische Qualifikation und die künstlerische Authentizität des Fachpersonals: „Mit der Standardausbildung einer Erzieherin ist das schwerlich zu meistern, im Tandem mit einer EMP-Fachkraft erfährt das Team der Kita eine nachhaltige Stärkung“, so die Erfahrung aus dem Weimarer Modellkindergarten.

Ein Appell richtete sich klar an die Wissenschaft, die sich von zahlenbezogenen Analysen verabschieden und stattdessen den Blick auf die wahrnehmbaren Veränderungen in der Entwicklung der Kinder durch die Elementare Musikpraxis schärfen solle. Dafür die passenden Instrumente der Evaluation zu schaffen, übertrage man der Wissenschaft als Zukunftsaufgabe. Von der Politik erwarteten sich die Bildungsexperten die Gewährleistung der organisatorischen und finanziellen Rahmenbedingungen. Vor allem aber, so Pfaff, gehe es darum, einen gemeinsamen Bildungsplan zu entwickeln, der die musikalische Bildung ab der Geburt bis zum zehnten Lebensjahr umfassend beschreibe. Jenseits der bildungspolitischen Strukturdiskussionen vernetzten sich längst eine Vielzahl von kreativen Pädagogen der frühkindlichen Bildung, verwirklichen zahlreiche Projekte, die sich in Inhalten und Zielen sehr ähnlich sind und trotzdem wüssten viele nicht, was die anderen tun. „Einzelne Tagungen wie in Weimar sind wichtig, was wir jetzt aber brauchen, ist der permanente Gedankenaustausch“, so Pfaff. Das Zusammenfinden von musik- und kulturpädagogischen Entwicklungen müsse fortlaufend und auf den verschiedensten Kommunikationswegen stattfinden, damit „zusammenwächst, was zusammen gehört“.
vbsm/sl/20.5.10

 
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