Minimal Music in Markt Schwaben


Thementag an der Musikschule mit Schülern und Lehrern

Ein Klavierstück mit nur einer Partiturseite wäre für Interpreten klassischer Musik undenkbar, nicht aber für die Vertreter der „Minimal Music“ – eine postmoderne Musikrichtung, deren Anfänge in den 60er Jahren liegen. Die Musikschule Markt Schwaben im Zweckverband Kommunale Bildung hat ihr im Rahmen einer Konzertreihe zur Musik des 20. Jahrhunderts einen Thementag gewidmet. Schüler und Lehrer präsentierten Musikstücke von bekannten Komponisten wie Philip Glas, Steve Reich, Terry Riley, Ron Ford und Erik Satie.

Die stilistische Vielfalt spiegelte sich in den Veranstaltungsräumen des Markt Schwabener Unterbräu wider und wurde von Ensembles und jungen Pianisten der Musikschule einem großen Publikum vorgestellt. Das Programm spannte einen Bogen von den Vorläufern der „Minimal Music“ bis hin zu  minimalistisch geprägtem Jazz der Gegenwart. Bereits im Jahre 1893 entstand das Klavierstück „Vexations“ (frz. Quälereien) von Eric Satie, dessen einzige Partiturseite 850 Mal gespielt wird. Dem Publikum im Markt Schwaben wurde ein Ausschnitt mit 18 Wiederholungen präsentiert.

Unter der Leitung der Musikschullehrers Sebastian Hausl führten Schüler das Musikstück „In C“ von Terry Riley auf, das mit Piano, Marimba, Sample-Bass und Elektro-Kirchenorgel instrumentiert ist. Aus 50 kleinen Motiven ist es jedem Musiker erlaubt, dasjenige auszuwählen, welches er im Moment der Aufführung spielen und wiederholen möchte. Die Aneinanderreihung des Klangteppichs wird durch den gleichmäßig laufenden Puls des Marimbas auf dem Ton C zusammengehalten. Die fortschreitende Wiederholung fand sich auch im Stück „Sequentia“ von Ron Ford wieder, das vom Blockflötenensemble der Musikschule interpretiert wurde. Die Melodiefloskeln, die der römischen Messliturgie entstammen, verändern sich in Länge und rhythmischer Unterteilung. Das Ende im Pianissimo leitete gut zusammenpassend in das darauf folgende Werk „Ricercar“ über, das ebenfalls im Pianissimo beginnt. Das „Ricercar“ wurde von Schülerinnen der Musikschule auf der Blockflöte vorgetragen.

Weiter auf dem Programm standen Eigenkompositionen von Musikschullehrkräften. In „Minimalismus heute“ kombinierten die Musikschullehrer Eva Rautenberg (Cello) und Hans Wolf (Piano) die „Minimal Music“ mit freier experimenteller Improvisation und experimentierten unter anderem mit den Perkussionsklängen des Cello-Korpus und Harfenklängen des Klavierinnenraumes. Dabei wurden die Einflüsse indischer Musik mit ihren Mikrointervallen und ihrem meditativen Charakter auf die „Minimal Music“ spürbar.

Die Prinzipien der „Minimal Music“ mit Musizierweisen des zeitgenössischen Jazz zu verschmelzen, gelang den drei Musikschullehrern Werner Klausnitzer (Pianist/Komponist für Jazz und Neue Musik), Felix Sapotnik (Tenorsaxofon) und Sebastian Hausl (Drumset) mit der Darbietung verschiedener Einzelstücke. Dabei entstanden reizvolle Stücke, wie zum Beispiel auch eine Version von "Besame Mucho", die vom begeisterten Publikum mit großem Applaus bedacht wurden.

Für die „Minimal Music“ charakteristisch ist die Wiederholung mit kleinen Veränderungen. Nach diesem Muster war auch das vierstündige Konzertprogramm gestrickt, das zwei Mal in leicht veränderten Versionen präsentiert wurde. Zuhörer, die weniger Zeit mitbrachten, konnten so fast alle Aufführungen besuchen.

Weil die neuere und neueste Kunstmusik bei der musikalischen Ausbildung an der Musikschule häufig zu kurz kommt, haben Musikschullehrer Guido Klaus und Wolfgang Ostermeier, Bezirksstellenleiter der Musikschule, die Konzertreihe zur Musik des 20. Jahrhunderts ins Leben gerufen und bereits mit dem Thementag `Musik von John Cage´ im vergangenen Herbst einen großen Erfolg erzielt. 02.01.11VBSM

   
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